Geschichte
Geschichte
Die Deutsche Kinemathek nahm im Februar 1963 offiziell ihre Arbeit auf. Gründungsdirektor war der Regisseur Gerhard Lamprecht, dessen umfangreiche Sammlung von Filmen, Dokumenten und Apparaturen, zusammengetragen in Jahrzehnten arbeitsreichen Schaffens, vom Land Berlin erworben und der neuen Institution zur Bewahrung und Nutzung übergeben worden war.
Sammeln und Ausstellen

1970 zeigt die Deutsche Kinemathek e.V. am Kurfürstendamm eine Ausstellung zum Filmpionier Richard Oswald – 30 Jahre vor dem bekannten Museumsbau am Potsdamer Platz.
Quelle: Deutsche Kinemathek
In den folgenden Jahrzehnten weitete die Kinemathek ihre Aktivitäten aus. Lamprechts mehrbändiger Katalog ›Deutsche Stummfilme‹ wurde zum Standardwerk. Durch Ankäufe und Übernahmen wuchsen die Sammlungen beständig an. Sie wurden durch Ausstellungen einem breiteren Publikum zugänglich gemacht: 1966 eröffnete in den beengten Verhältnissen der Schlüterstraße 41die erste filmhistorische Ausstellung »Von Skladanowsky bis Caligari«. Weitere Schauen fanden an wechselnden Orten statt, etwa in der Filmbühne Wien (zu Regisseur Richard Oswald, 1970), im ehemaligen Hotel Esplanade (»… Film … Stadt … Kino … Berlin«, 1987) und im Martin-Gropius-Bau (»Kino – Movie – Cinema«, 1995).

Ein Spiel aus Licht und Reflexion: Die Räume von Hans Dieter Schaal faszinierten viele Besucher*innen im Museum für Film und Fernsehen.
Foto: Marian Stefanowski
Ab 2000 bot der Neubau am Potsdamer Platz eigene Ausstellungsflächen, die Raum für eine ständige Ausstellung schufen. Dort wurde auch der 1993 übernommene Nachlass von Marlene Dietrich präsentiert – bis heute eine der umfangreichsten Sammlungen der Kinemathek. Zudem ermöglichten Sonderausstellungen eine vertiefte Beschäftigung mit weiteren prägenden Filmpersönlichkeiten (Fritz Lang, 2001; Ruth Leuwerik, 2004; Hildegard Knef, 2005; Martin Scorsese, 2013; Bernd Eichinger, 2013; Ken Adam 2014) oder Produktionsfirmen (»Die Ufa«, 2017). Im Laufe der Jahre widmeten sich Sonderausstellungen außerdem vielfältigen Themen, etwa Production Design, Psychologie und Film oder Science-Fiction-Filmen. Mehrere Ausstellungen für Kinder und Jugendliche sowie Installationen in Kooperation mit Filmemacher*innen, wie Ulrike Ottinger und Thomas Heise, rundeten das Publikumsangebot ab.
Mit mehr als zwei Millionen Besucher*innen blieb die ständige Ausstellung in der Zeit bis zum Abschied vom Potsdamer Platz 2024 der größte Publikumsmagnet der Kinemathek. Ihr variantenreicher, immer wieder aktualisierter Rundgang durch die deutsche Filmgeschichte begeisterte viele Gäste – allein in der letzten Öffnungswoche kamen täglich bis zu 3.000 Besucher*innen. Seit 2006 ergänzte eine ständige Ausstellung zur Fernsehgeschichte das Angebot, verbunden mit der Mediathek Fernsehen, die über 13.000 Produktionen von deutschen Fernsehsendern verfügbar macht. Ein Höhepunkt war die Schau zu Loriots 85. Geburtstag, die 2008/09 fast 100.000 Besucher*innen anzog. Viele Ausstellungen gingen international auf Tournee, darunter die Wanderausstellung über das Werk des Regisseurs Martin Scorsese, mit sieben Nachspielstationen und mehr als einer halben Million Besucher*innen.

1977 ging es los mit der von der Kinemathek kuratierten Berlinale Retrospektive, im Zentrum stand damals die Ikone Marlene Dietrich.
Quelle: Deutsche Kinemathek
2025 ist die Kinemathek ins E-Werk gezogen, ihr aktueller Standort bis zur Fertigstellung eines neuen Filmhauses. Im E-Werk verfügt sie erstmals über ein eigenes kleines Kino. Schon lange verleiht sie Filme weltweit – inzwischen um die 22.000 Titel, darunter Stummfilme, Avantgardefilme, dokumentarische Arbeiten, Produktionen der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB) und nahezu das gesamte DEFA-Archiv.
Seit 1977 konzipiert und organisiert die Kinemathek die Retrospektiven der Internationalen Filmfestspiele Berlin – die erste war Marlene Dietrich gewidmet. 2025 stand unter dem Titel »Wild, schräg und blutig« ein Programm zu deutschen Genrefilmen der 1970er-Jahre auf dem Plan. Seit 2013 präsentieren die Berlinale Classics neu restaurierte Filme einem großen Publikum. Filmhistorische Hommagen, Kolloquien und Tagungen sowie seit 2016 das Filmerbe-Festival Film Restored ergänzen das Angebot. Zudem gibt die Deutsche Kinemathek zwei Schriftenreihen heraus: ›Fernsehen – Geschichte – Ästhetik‹ legt den Schwerpunkt auf Fernsehthemen, ›Film & Schrift‹ widmet sich der Geschichte der Filmkritik in Deutschland. Zu den meisten Ausstellungen und Retrospektiven sind Begleitbücher erschienen. 2024 erschien die knapp 1.000-seitige Publikation ›Der deutsche Film – Aus den Archiven der Deutschen Kinemathek‹.
Sammeln und Archivieren

In unseren Archiven finden sich echte Schätze – und hin und wieder auch ein Alien (›Independence Day‹, US 1996, Regie: Roland Emmerich).
Foto: Marian Stefanowski
Das Herzstück der Sammlungen bilden über 600 Personenarchive mit Nachlässen und Materialkonvoluten von Filmschaffenden fast aller Berufsgruppen sowie von Gelehrten, Firmen und Institutionen. Auch verwaltet die Deutsche Kinemathek die Archive bekannter gegenwärtiger Filmemacher*innen. In den letzten Jahren wurde der Vorlass von Fatih Akin, mehrere Materiallieferungen von Andres Veiel sowie einzelne Drehbücher von Nora Fingscheidt in den Bestand aufgenommen. Die Archivalien dienen als Grundlage für Ausstellungen, Publikationen, wissenschaftliche Arbeiten und Filmjournalismus bzw. -kritik. Ergänzt werden sie durch Millionen von Fotos, tausende Drehbücher, Plakate, Serienprogramme, Werbematerialien, Tondokumente, Textilien, 3-D-Objekte sowie biografische und filmografische Unterlagen. Die Kinemathek bewahrt zudem audiovisuelles Material zu fast 80.000 Filmtiteln aller Formen und Formate. Durch Restaurierung und Digitalisierung trägt sie in aller Breite zur Erhaltung und Zugänglichmachung filmhistorischer Werke bei.

Kunst in der Filmkunst: Production Designer Ken Adam im von ihm gestalteten »War Room« (›Dr. Strangelove or: How I Learned to Stop Worrying and Love the Bomb‹, US 1964, Regie: Stanley Kubrick).
Quelle: Deutsche Kinemathek
Das Technikarchiv umfasst historische Aufnahme- und Projektionsgeräte, Apparate zur Filmproduktion und -bearbeitung bis zu Ausstattungsobjekten von Kinos. Skizzen, Dekorationsentwürfe und Modelle verdeutlichen die Entwicklung der Filmarchitektur – darunter die Arbeiten des Production Designers Ken Adam, dessen Handschrift zahlreiche James-Bond-Filme prägte. Adam musste mit seiner Familie 1934 aus Deutschland fliehen. Seine Geschichte steht exemplarisch für viele geflüchtete Filmschaffende, an die die Kinemathek erinnert. In einer der weltweit wichtigsten Exilsammlungen finden sich auch Bestände zu Curt Siodmak, Elisabeth Bergner, Erich Pommer und vielen anderen. Besonders bedeutend und als Quelle für die Exilforschung unverzichtbar ist die 1988 übernommene Korrespondenz der in Hollywood ansässigen Paul Kohner Agency, die mehr als 160.000 Blatt umfasst.
Die Bibliothek der Kinemathek, das Rückgrat für alle Film- und Fernsehinteressierten, umfasst über 95.000 Werke, darunter 150 aktuelle deutsche und internationale Zeitschriften (auch auf Mikrofilm) und ein umfangreiches Angebot an Filmtiteln auf DVD.
Sammeln und Austauschen

Der internationale Austausch ist essentiell – hier tagt die Vollversammlung des 43. FIAF-Kongresses im Mai 1987.
Quelle: Deutsche Kinemathek
Die Kinemathek bietet vielfältige Vermittlungsangebote an – von Trickfilmworkshops für Kinder über filmische Stadtspaziergänge bis zu Werkstattgesprächen mit Fachgruppen – und ermöglicht so spannende und überraschende Begegnungen mit der Welt der bewegten Bilder.
Seit 1966 ist die Deutsche Kinemathek Mitglied der Fédération Internationale des Archives du Film (FIAF) sowie der Association des Cinémathèques Européennes (ACE) und beteiligt sich am internationalen Austausch von Erfahrungen und Filmmaterialien. 2027 wird sie Gastgeberin des FIAF-Kongresses in Berlin sein. Auf nationaler Ebene war sie 1978 Mitgründerin des Kinematheksverbunds, gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Filmkunde (heute DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum) und dem Bundesarchiv-Filmarchiv.
Die Deutsche Kinemathek ist Teil des Netzwerks Mediatheken und des Arbeitskreises selbständiger Kulturinstitute e.V. (AsKI). Unterstützt werden kann ihre Arbeit durch eine Mitgliedschaft im Förderkreis der Deutschen Kinemathek e.V.